

Nachruf auf einen lieben Kollegen und meinen Mentor Dr. med. Sepp Graessner (1943 – 2022)
Nachruf zum Tod von Dr. med. Sepp Graessner, Gründungsmitglied des
Behandlungszentrums für Folteropfer e.V.
Von Dipl.-Psych. Ralf Weber
Nach langer Krankheit ist am 15. Februar 2022 im Alter von 78 Jahren Dr. med. Sepp Graessner
verstorben. Sein frühes Augenmerk auf die Leistungsmedizin während des Nationalsozialismus
und den Umgang mit Holocaustüberlebenden in der Nachkriegsära hatten ihn 1990
zum Engagement beim Behandlungszentrums für Folteropfer e.V. (BZFO) geführt. Als Gründungsmitglied
und Mitarbeiter wurde er eine der prägenden Säulen der Einrichtung, die sich
Jahre später in Zentrum Überleben gGmbH umwidmete. Seine klinische Tätigkeit begann
Sepp Graessner (geb. 1943) im BZFO als niedergelassener Arzt, Notfallmediziner, Tropenmediziner
und Hygieniker. Jedoch verstand er sich in seinem beruflichen Handeln auch als
Sozialmediziner, Psychologe, Therapeut, Dozent, Ethiker, Ausbilder und Menschenfreund.
Seine berufliche Tätigkeit war dabei stets getragen von einem gesellschaftspolitischen Impetus:
Es ging ihm um die Verbesserung der Lebensbedingungen von traumatisierten Menschen,
auf wissenschaftlicher Basis und weniger um Rechthaberei oder Ruhm. Ich habe Sepp Graessner
bei meinem beruflichen Einstieg 1994 in das BZFO kennen gelernt und habe ihm persönlich
viel zu verdanken. Sein Engagement und seine Courage, seine Authentizität, seine
Leidenschaft und Hartnäckigkeit, mit der er die Anliegen der ihm anvertrauten Patient*innen
vertrat, bleiben mir stets in vorbildlicher Erinnerung.
